Bar Camps

Neue Technologien ermöglichen eine neue Form von Konferenzformaten. Seit einigen Jahren erfreuen sich BarCamps einer wachsenden Beliebtheit. BarCamps sind eine weitestgehend selbst organisierte „Mitmach-Konfernez“, ähnlich dem Open-Space, aber noch offener in der Organisation. Barcamps sind aus dem Bedürfnis heraus entstanden, dass sich Menschen in einer offenen Umgebung austauschen und voneinander lernen können. Es ist eine intensive Veranstaltung mit Diskussionen, Präsentationen und Interaktion der Teilnehmer untereinander. Jeder, der etwas beizutragen hat oder etwas lernen will, ist willkommen und herzlich eingeladen mitzumachen.

Das besondere an BarCamps ist damit fast schon benannt: Wissen wird nicht als Herrschaftswissen betrachtet, sondern als Ressource, die im gegenseitigen Mit-Teilen noch wertvoller und produktiver werden kann. Teilnehmer eines BarCamps werden zu Mitwirkenden. Es gibt ein Geben und Nehmen der Teilnehmer. BarCamps fördern Vernetzung und interdisziplinären Austausch von Wissen – auch über Firmengrenzen o.ä. hinweg.

BarCamps haben ihren Ursprung in der Computerwelt, vor allem in den Technologien des web 2.0 und der Open-Source Bewegung. So setzen sich bis heute die meisten BarCamps mit Themen auseinander, die einen Bezug zu diesen Technologien haben. Doch mehr und mehr entdecken Veranstalter die produktive Kraft dieser Veranstaltungsform auch für andere Themenbereiche.

Auch im kirchlichen Raum werden zunehmend BarCamps organisiert, um die Möglichkeiten der web 2.0 für den kirchlichen Kontext auszuloten. i

Keine Zuschauer, sondern nur Teilnehmer

Das wichtigste Prinzip eines BarCamps lautet: Es gibt keine Zuschauer, sondern nur Teilnehmer. Die Teilnehmer sind aufgefordert entweder eine Präsentation oder eine Session abzuhalten oder auf andere Weise durch freiwilliges Engagement zum Gelingen der Veranstaltung beitragen.

Der konkrete Ablaufplan eines BarCamps entsteht erst am Veranstaltungstag selber. Jeder, der etwas Beitragen möchte trägt dazu seinen Beitrag in ein vorbereitetes Zeitraster ein. Die anwesenden Teilnehmer wählen die Demos bzw. Präsentationen aus, an denen sie teilnehmen wollen.

Immer wieder finden sich die folgenden Regeln, die das BarCamp Prinzip beschreibenii:

  1. Sprich über das BarCamp!
  2. Blogge über das BarCamp!
  3. Wenn du etwas präsentieren möchtest, schreibe dein Thema und deinen Namen in ein „presentation slot“ (= Zeitfenster im Zeitplan des BarCamps, das für jeweils ein Angebot zur Verfügung steht)
  4. Erkläre mit nur drei Worten, was du vorhast.
  5. So viel Präsentationen gleichzeitig wie es die Rahmenbedingungen zulassen.
  6. Keine vorgeplanten Präsentationen, keine Touristen.
  7. Präsentationen dauern solange wie sie brauchen oder bis der nächste „presentation slot“ beginnt.
  8. Wenn Du das erste mal an einem BarCamp teilnimmst, musst du etwas präsentieren (Nunja, du musst das nicht wirklich, aber versuche etwas zu finden, was du präsentieren könntest, zumindest solltest du Fragen stellen und ein interaktiver Teilnehmer sein)

Der organisatorische Aufwand für Veranstalter eines BarCamps ist wesentlich geringer als bei herkömmlichen Konferenz-Formaten. Das gelingen der Konferenz liegt zu einem hohen Grad in der Verantwortung der Teilnehmer. Diese sind aber durch die offene Veranstaltungsform oft besonders motiviert, sich mit eigenen Beiträgen einzubringen.

Vorbereitung

Die Vorbereitung eines BarCamps geschieht in der Regel online. Als Hilfreiches Tool hat sich dafür ein sogenanntes Wiki etabliert. Im Wiki werden wichtige Informationen kommuniziert, erste Ideen zu Themen und Inhalten ausgetauscht usw. Die Internetseite http://barcamp.org stellt diese Technologie Organisatoren kostenlos zur Verfügung. Natürlich lassen sich auch eigene Content-Management-Systeme sowie andere Plattformen nutzen.

Werbung spielt bei der Vorbereitung eines Barcamps eine Große Rolle. In Blogs, Twitter, XING, Facebook usw. sollte immer wieder auf neue Entwicklungen im Vorfeld hingewiesen werden.

Ablauf

Typischer Weise entsteht das Programm eins BarCamps am Morgen eines jeden BarCamp Tages. Vom Veranstalter wir lediglich ein Programmskelett zur Verfügung gestellt.

Das kann man sich als Stundenplan vorstellen. Teilnehmer die etwas Beitragen wollen, tragen ihren Plan in dieses Schema ein. Im Plenum haben die einzelnen dann die Möglichkeit kurz zu benennen, mit welchem Thema sie sich auseinander setzen werden.

Sinnvoll ist es im Zeitplan zwei parallele „Tracks“ in unterschiedlichen Räumen vorzusehen. So können die Teilnehmer entsprechend ihrer Interessen ein Thema auswählen. Überschreitet die Teilnehmerzahl 50 Personen sollte die Veranstaltung auf 2 Tage ausgedehnt werden.

Ein typisches Programmskelett sieht so aus:

Zeit Track 1 [Raum 01] Track 2 [Raum 02]
09:00-10:30 Frühstück, Kaffetrinken,
10:30-11:00 Einleitung, gemeinsame Programmgestaltung
10:30-11:00 Thema 1 Thema A
11:00-11:30 Thema 2 Thema B
11:30-12:00 Thema 3 Thema C
12:00-12:30 Thema 4 Thema D
12:30-13:30 Mittagspause
13:30-14:00 Thema 5 Thema E
14:00-14:30 Thema 6 Thema F
14:30-15:00 Thema 7 Thema G
15:00-16:00 Kaffeepause
16:00-16:30 Thema 8 Thema H
16:30-17:00 Thema 9 Thema I
17:00-17:30 Thema 10 Thema J
17:30-18:00 Thema 11 Thema K
18:00 Abendessen, Danach: Abendessen und Afterparty

Veranstaltungsort

Der Veranstaltungsort ist entsprechend der Teilnehmerzahl auszuwählen. Es muss Raum für ein Plenum sowie jeweils einen Raum für jeden „Track“ zur Verfügung stehen. Auch braucht es einen Raum, der als Speiseraum/ Kaffee genutzt werden kann. Das Essen kann über ein Catering organisiert werden.

Kosten

Kosten entstehen ggf. für Raummieten, Essen und Technik. In der Regel werden bei BarCamps das Gros der Kosten von Sponsoren getragen, so dass für Teilnehmer, wenn überhaupt, nur geringe Kosten anfallen.

Organisation

Ein Wiki kann ein wichtiger Bestandteil der Organisation eines BarCamps sein. Es hilft die Organisation zu koordinieren. Anmeldungen und Sessionplanung können damit gut abgewickelt. Und es besteht schon vor dem eigentlichen BarCamp eine interaktive Vernetzung der Teilnehmer.

Die Plattform http://barcamp.org stellt für Veranstalter eine kostenlose und bewährte Umgebung für die Organisation eines BarCamps zur Verfügung (u.a. Wiki).

Sonstiges

BarCamps haben ihren Urspung in der Computerbranche. Sie nutzen auch während des barCamps selber Internet-Technologien. Somit gehört ein ausreichend dimensioniertes WLAN-Netz zum Standard bei einem BarCamp.

Wer etwas präsentiert ist gehalten seine Präsentation im Web online zu stellen. Dazu steht in der Regel eine digitale Plattform des BarCamps zur Verfügung (auch hier kann auf http://barcamp.org zurück gegriffen werden).

Einzelne „Sessions“ können aufgenommen und als Podacst oder Video online gestellt werden.

Je nach Größe des BarCamps braucht es eine Tonanlage, um die Kommunikation sicherzustellen.

Auch bei einem BarCamp finden nicht selten die wichtigsten Gespräche bei den Kaffeepausen statt. Hierfür sollte genügend Zeit eingeräumt werden.

Effekte

Barcamps fördern die Vernetzung von Wissensträgern. Im gemeinsamen Austausch entstehen neue Erkenntnisse und Einsichten, die nicht selten in neue Projekte münden.

Teilnehmer an BarCamps sind hochmotiviert und engagiert. Sie erleben und lernen, dass Hierarchie freie Kommunikation und Selbstorganisation nicht nur im Internet möglich ist.

Einsatzmöglichkeiten

Gerade im kirchlichen Kontext stellen BarCamps ein interessantes Format dar, um ganz neue Zielgruppen (Milieus) anzusprechen.

Thematisch sind BarCamps zu vielen Themen denkbar:

  • web 2.0 und Pastoral
  • Öffentlichkeitsarbeit im Internet
  • Zukunftsvisionen für den Stadtteil/ Sozialraum
  • Innovative Projekte auf Bistumsebene

Links

http://www.elektrischer-reporter.de/index.php/site/film/49/

Jüngst trafen sich in Köln Internet-Entwickler, Denker, Macher, Blogger und andere native Netzbewohner. Ihr Elektrischer Reporter war mit der Kamera dabei.

iEinige Beispiele finden Sie hier:

iiVgl. http://www.barcamp.at/Was_ist_ein_BarCamp