Aufbruch zum Miteinander

Habe gerade begonnen in dem Buch „Aufbruch zum Miteinander“ von Albert Rouet, dem Altbischof von Poitiers, zu lesen. Schon im ersten Kapitel finden sich tolle Sätze zur Glaubenskommunikation. Es ist schon etwas besonderes, wenn ein Bischof sich so dem Zusammenhang von Offenbarung und Geschichtlichkeit nähert, wie es Rouet tut. Mir machen die ersten Seiten des Buches Lust auf mehr. Es hat die Verheißung ein Highlight in meinem Bücherherbst zu werden.

Hier ein paar Kostproben…

„Manche Predigten sind langweilig, weil wir uns fragen, an wen sie sich eigentlich richten. Wer ist das du, das ihr, dem das Wort gilt? Die Menschheit im Allgemeinen anzureden, bedeutet, niemanden zu berühren.“

(Albert ROUET 2012, 29)

„Wir können von der frohen Botschaft nur in dem Maß  sprechen, in dem wir die Fragen der anderen gehört haben. Wir können die Frohe Botschaft  nur in Form eines Austausches verkünden. Wir können aber nicht mit jemanden austauschen, wenn wir seinen Wortschatz nicht kennen, seine Logik nicht begreifen, nicht wirklich erfassen, was ihn lebendig macht.“

(Albert ROUET 2012, 29)

„Unsere Worte sind nur Ausdrucksversuche, Annäherungen unter den Bedingungen einer Kultur.“

(Albert ROUET 2012, 32)

„Etwas in den Worten von gestern sagen, kann es verfälschen, weil der Sinn der Worte nicht mehr der gleiche ist. Das rechte Wort liegt stets im Weitergehen.“

(Albert ROUET 2012, 33)

„Ein Theologe ist ein Mensch der Beziehung, ein Vermittler im Dienst der Kirche.“

(Albert ROUET 2012, 39)

„Die große Versuchung der Kirche liegt darin, die modernen Medien zu nutzen, um zu verbergen, dass sie nicht wirklich in diese Zeit eintreten will. Dann haben wir prima Computer, aber verstehen, den menschlichen Sinn der Worte nicht mehr. Die falsche Art, modern zu sein“. (Albert ROUET 2012, 143)
„Für uns zählt, was das Konzil über die Gleichheit aller Christen sagt. Es lehrt, dass die Priester sehr viel mehr dazu da sind, dem Volk Gottes zu dienen, als das sie etwas Besonderes wären und das Volk ihnen dienen müsste“

(Albert ROUET 2012, 163)

„Jesus ist schließlich nicht gekommen, um uns zu verbieten, uns an Omas Marmeladen zu vergreifen.“

(Albert ROUET 2012, 176)

„Die Kirche soll sich so einrichten, dass jeder entfalten kann, was der Geist in ihn legt. Es gibt ja nicht auf einer Seite die Institution, auf der anderen die Spiritualität! Spiritualität richtet sich nicht gegen die Institution und geht nicht an ihr vorbei. Für uns Christen ist die Institution vielleicht nur ein Mittel, aber ein unentbehrliches. Wenn mir die Leitung meines Bistums gleich wäre, würde es stehen bleiben im Chaos versinken. ‚Alles ist möglich, was gefällt und das Herz erwärmt‘: Diese Illusion taugt nicht, um den Körper Christi zu gestalten. Wie oft  nennt Paulus die Kirche eine Baustelle! Auf einer Baustelle gibt es einen Plan, da gibt es Methoden. Wer alles schleifen lässt, wird das Fenster im Keller eingebaut finden… Die äußere Form soll Halt bieten, damit die Spiritualität sich entfalten kann. Manche Formen fördern Leben, andere verhindern es.“

(Albert ROUET 2012, 178f)