Kirchliche Medien

Die Mitgliederzeitschrift des Gemeindereferentinnen-Bundesverbandes, das Gemeindereferentinnen-Magazin erscheint seit 2002 (https://www.gemeindereferentinnen.de/5-0-Das-Magazin.html).  Das Schwerpunktthema des der Ausgabe 3/2018  lautet „Christliche Medien“. Den Leitartikel dazu hat Wolfgang Beck (Autor von : die Katholische Kirche und die Medien) verfasst.  Für die Rubrik „3 Fragen an“ bin ich gebeten worden folgende Fragen zu beantworte:

1. Welche kirchlichen Medien stehen Ihnen näher, gedruckte oder digitale? 

2. Wie wird sich die kirchliche Medienlandschaft Ihrer Meinung nach zukünftig entwickeln?

3. Was sind aus Ihrer Sicht Faktoren, die für den Erfolg von kirchlichen Medien notwendig sind?

Meine Antworten findet Ihr hier:

Welche kirchlichen Medien stehen Ihnen näher, gedruckte oder digitale?

Für mich persönlich hat die Bedeutung der digitalen Medien auch in kirchlichen Kontexten in den vergangenen Jahren eine immer größere Bedeutung gewonnen. Ich erlebe mich da als Kind meiner Zeit. Nach wie vor beziehe ich (pastoral-) theologische Fachzeitschriften., aber immer häufiger nutze ich auch Blogs, Onlinemagazine und Soziale Medien wie Facebook, Twitter u.ä., um mich über (pastoral) theologische Trends zu informieren.

Ich schätze sehr die mit den digitalen Medien verbundenen Möglichkeiten. Mich fasziniert, wie schnell und unkompliziert ich über das Internet, der weltweiten Drehscheibe für digitale Informationen und Medien, an Informationen aller Art gelangen kann. Ich nutze Facebook, Twitter und andere Social-Media auch um hier, Hinweise auf Fachdiskussionen oder interessante pastorale Trends zu bekommen. Dabei schätze ich die interaktiven Möglichkeiten, die die Sozialen Medien bieten. Ich kann mitdiskutieren und auf für mich Interessantes und Relevantes hinweisen.

Die Digitalisierung ermöglicht viele neue Projekte. Auch im kirchlichen Kontext entstehen, wenn auch aus meiner Sicht viel zu langsam, neue Medien(formen). Einige der wenigen kirchlichen Apps nutze ich in meinem Alltag regelmäßig, wie z.B. die Bibel App der Einheitsübersetzung, die Stundenbuch-App oder Evangelizo.

Auch die Realisierung unseres Onlinemagazin „futur2“ wäre ohne die Möglichkeiten des Internets, Inhalte relativ preiswert zu publizieren, nicht möglich. Durch den Verein „Strategie und Entwicklung in Kirche und Gesellschaft e.V. haben wir eine Community im Rücken. Die Refinanzierung unserer Kosten durch den Verein ermöglicht eine kostenfreie Nutzung des Magazins. Mit viel ehrenamtlichen Aufwand kann es gelingen, große Reichweiten zu erzielen. Ich glaube, dass dieses Projekt in der „alten Welt“ nur schwer möglich gewesen wäre.

Interessiert verfolge ich die kirchliche Szene im Internet. Onlinemagazine wie das Sinnstifter Magazin (http://www.sinnstiftermag.de/), das theologische Feuilleton Feinschwarz.net (https://www.feinschwarz.net/), das Onlinemagazin von Kamps-Erfurt (https://www.euangel.de/), die Blogs Theosalon (http://theosalon.blogspot.com/2017/02/hubsch-ist-wichtiger.html) oder kirchentwicklung.de (https://kirchenentwicklung.de) zeigen mir , dass es in diesem Bereich kreative, innovative und mitunter auch kritische Beiträge gibt, die in einem hohen Maße anregend sind und zudem eine hohe fachliche Qualität besitzen.

Trotz dieser Euphorie weiß ich immer noch auch um den Wert gedruckter Medien. Nach wie vor habe ich gerne ein echtes Buch in der Hand und nicht das Tablett mit dem E-Book. Und so mancher ungelesene Artikel schlummert auf meinen Festplatten. Auch das ist ein Phänomen der Digitalisierung. Digitale Medien sind schnell und preiswert zu vervielfältigen. Es gehört zum guten Ton, dass Materialien von Referenteninnen und Referenten in Workshops, Fortbildungen und anderen Veranstaltungen in digitaler Form, z.B. als PDF-Datei, zur Verfügung gestellt wird. Diese Informationsfülle, die mit den digitalen Medien einhergeht finde ich anstrengend und Fülle ist nicht immer ein Zeichen von Qualität.

Wie wird sich die kirchliche Medienlandschaft Ihrer Meinung nach zukünftig entwickeln?

Aus meiner Sicht wird die Bedeutung digitaler Medien im Vergleich zu den gedruckten Medien im kirchlichen Bereich weiterwachsen. Treiber hierfür sind aus meiner Sicht vor allem zwei Punkte:

  • Die Bedeutung digitaler Medien wird  allgemein gesamtgesellschaftlich noch (stark) zunehmen. Neue technische Geräte sowie neue Anwendungsmöglichkeiten werden heute noch unbekannte Möglichkeiten eröffnen. Der kirchliche Medienbereich unterscheidet sich diesbezüglich nicht von der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung.
  • Die kirchliche Verlagslandschaft wird sich verändern. Mit den kontinuierlich sinkenden Kirchenmitgliederzahlen sinkt auch die Zahl potentieller Kunden für die Verlage. Kostendeckend Bücher zu produzieren wird schwerer. Schon heute ist eine Konzentration im kirchlichen Verlagswesen feststellbar. Wenn die Verlage neben dem Buchvertrieb keine neuen Geschäftsmodelle erfinden, die für Kunden einen Mehrwert generieren, für den sie auch bereit sind Geld zu bezahlen, werden Sie es schwer haben zu überleben.

Schon heute präsentiert sich die kirchliche Medienlandschaft bunt, vielfältig und wesentlich multimedialer als noch vor wenigen Jahren. Das wird sich zukünftig weiter entfalten. Und doch bleibt der Eindruck, dass Kirche den medialen Entwicklungen hinterherhinkt. Angesichts prognostizierter sinkenden Kirchensteuereinnahmen wächst der Finanzdruck auf Bistümer und Landeskirchen. Auch im Medialen Bereich wird Kirche sparen müssen. Das macht die Herausforderungen in denen Kirche im Hinblick auf die Medienlandschaft steht nicht geringer.

Was sind aus Ihrer Sicht Faktoren, die für den Erfolg von kirchlichen Medien notwendig sind?

Durch die Möglichkeiten der Sozialen Medien hat sich eine interaktive, herrschaftsfreie und offene Kommunikationskultur etabliert. Menschen wählen sich zunehmend die Angebote aus, die sie für sich als relevant erleben. Diese veränderte Kommunikationsform stellt aus meiner die größte Herausforderung für die kirchliche Medienarbeit dar. Und das in einem doppelten Sinne:

  • Die aktuellen kirchlichen Formate, Projekte und Angebote sowie auch die aktuellen kirchlichen (Haupt-)Akteure scheinen bei immer weniger Menschen eine positive Resonanz auszulösen. Die Kirchen haben in Deutschland für zunehmend weniger Menschen eine Relevanz. Vor aller Frage einer medialen Vermittlung steht also die Frage nach dem kirchlichen Selbstverständnis. Kirchliche mediale Kommunikation wird nur dann wirkungsvoll sein, wenn es Kirche gelingt eine neue Relevanz zu erzeugen. Dies setzt einen radikalen Veränderungsprozess voraus, der alle Bereiche des kirchlichen Lebens umfasst. Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts. Nur eine Kirche, die sich in den Dienst von Mensch und Gesellschaft stellt, wird medial Beachtung finden.
  • Im Kernbereich ist Kirche milieuverengt. Digital-natives finden sich aktuell kaum in ihr wieder. Dies spiegelt sich aktuell auch im medialen Verhalten wieder. Nur mühsam lernen (gerade auch leitende) kirchliche Mitarbeitende, dass digitale Kommunikationswege keine Einbahnstraße sind. Bzw. wird Kommunikation als Einbahnstraße konzipiert, dann entziehen sich dieser Kommunikation die gewünschten Empfänger. Perspektivisch müsste es ein Ziel kirchlicher Medienarbeit sein, co-Creativ mit kirchenfernen Nutzergruppen neue Formate und Angebote zu entwicklen – und zwar stark vom Nutzer her gedacht.

Kirche wird in Zukunft mutiger sein und aus einer gewissen Demut heraus die eigene Medienarbeit gestalten müssen. Die Zeiten, in denen Kirche Glaubensmacht besaß und Menschen gewissermaßen zu einer kirchlichen Lebenspraxis verpflichten konnte, sind (gottseidank) vorbei. Im Hinblick auf Religion, Sinnangebote und am Ende auch im Hinblick auf Glaubenskommunikation befindet sich Kirche in einem Markt. Es wird also künftig darum gehen, dass kirchliche Medien den christlichen Glauben als einen plausiblen Lebensentwurf auf dem gesellschaftlichen Marktplatz anbieten. Um das überzeugend tun zu können, müssen sie nachweisen, welchen Beitrag Kirche bzw. Glauben dazu leistet, dass menschliche (Zusammen-)Leben „besser“, „reicher“ bzw. in einem tief verstandenen Sinn „glücklicher“ zu machen.

Ein letztes, was mir wichtig erscheint. Kirche bzw. der Glaube lebt seit dem Ursprung vom Zeugnis einzelner Menschen. Dies wird auch zukünftig so sein. An Papst Franziskus ist ablesbar, welche Kraft es hat, wenn man medial Geschichten von glaubwürdigen, charismatischen und überzeugenden Persönlichkeiten erzählen kann. Auch auf regionaler Ebene müssten solche Überzeugenden Zeugen gefunden und damit begonnen werden, gerne auch sehr professionell medial aufbereitet, Geschichten von Menschen zu erzählen, die als „Heilige des Alltags“ Ausstrahlung haben.

Abgedruckt in: 

das magazin. Zeitschrift des Bundesverbandes der Gemeindereferenten/-innen, (3/2018), Seite 23 )